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Mezzanine-Kapital

Der wohlklingende Name Mezzanine steht für für eine Finanzierung, die eine Mischung aus Fremdkapital und Eigenkapital darstellt, stammt aus dem Italienischen und wurde von Mezzo abgeleitet, was so viel wie Mittel, Mitte, halb bedeutet. Im Englischen und Französischen bezeichnet Mezzanin ein Halb- oder Zwischengeschoss. Sowohl Unternehmen als auch Banken schätzen diese Finanzierungsform seit langem als Haftungskapital, das wirtschaftlich Eigenkapital ersetzen kann. Mezzanines Kapital das je nach Form rechtlich und wirtschaftlich zu Eigen- oder Fremdkapital gezählt und als hybrides Finanzinstrument bezeichnet wird.

Für Privatanleger bietet es Chancen auf höhere Renditen im Startup- und Immobilienbereich. Mezzanine-Kapital hat bei der Ausgliederung von Firmenteilen, der Entwicklung neuer Produkte, Übernahme durch MBO`s und Wachstumskapitalfinanzierungen sowie bei der Immobilienprojektfinanzierung eine große Bedeutung.

Merkmale einer Mezzanine-Finanzierung

Mezzanine-Kapital zeichnet sich durch Eigenschaften aus, die sowohl für die Fremd- als auch Eigenkapitalfinanzierung charakteristisch sind. Im Insolvenzfall ist das Kapital zwar vorrangig gegenüber dem Eigenkapital, jedoch steht es im Rang nach dem Fremdkapital. Das heißt, bei einer Pleite des Unternehmens werden zuerst die Ansprüche der Fremdkapitalgeber befriedigt und danach, falls noch Vermögen vorhanden ist, die Mezzanine-Kapitalgeber ausgezahlt. Das Eigenkapital des Unternehmens ist meistens verloren. Mezzanine-Kapital ist wie die Eigenmittel der Firma unbesichert. Während die Rendite des Eigenkapitals vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens abhängt und Kredite eine feste bzw. variable Verzinsung aufweisen, kann die Mischfinanzierungsform auch eine gemischte Verzinsung haben: einen geringen Festzins und eine erfolgsabhängige Komponente.

Ein Fremdkapitalgeber ist weder am Gewinn noch am Verlust des Unternehmens beteiligt. Er erhält für seine Kapitalverleihung einen Zins als Vergütung. Die Höhe des Eigenkapitals dagegen ist abhängig vom Ergebnis der Geschäftstätigkeit des Unternehmens, ein Verlust wirkt sich eigenkapitalmindernd aus. Die Mezzanine-Kapitalgeber sind am Gewinn der Firma beteiligt, normalerweise jedoch nicht am Verlust des Geschäftsbetriebes. Mezzanine-Mittel werden wie Fremdkapital immer befristet zur Verfügung gestellt, meist mittel- bis langfristig.

Mezzanine-Kapital wird in folgenden Formen bereitgestellt:

Als Eigenkapital anerkannt wird eine Mezzanine-Finanzierung dann, wenn sie langfristig angelegt ist und der Kreditgeber eine Rangrücktrittserklärung für den Fall des Kapitalverlustes abgegeben hat. Die ersten drei Mezzanine-Finanzierungsformen tragen Eigenkapitalcharakter, die konditionell unterschiedlich ausgestalteten Darlehen Fremdkapitalcharakter für die Gesellschaft.

Kapitalstruktur Projektfinanzierung Mezzanine Kapital

Vor- und Nachteile von Mezzanine-Kapital

Die Bereitstellung von Mezzanine-Kapital hat für Unternehmen viele Vorteile. Die Eigentumsverhältnisse der Firma bleiben erhalten und das Unternehmen begibt sich nicht in Abhängigkeit zu bestimmten Investoren. Das Kapital sichert die Finanzierung von sinnvollen Investitionen und fördert eine optimale Finanzierungsstruktur, indem es für die Aufnahme von Fremdmitteln bei Kreditgebern durch eine verbesserte Bonität mehr Spielraum lässt. Das Unternehmensrating wirkt dadurch auch günstiger gegenüber Handels-, Geschäfts- und Kooperationspartnern.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Investoren in der Regel kein ordentliches und nur wenige außerordentliche Kündigungsrechte für ihr bereitgestelltes Geld haben. Die Gläubiger von Mezzanine-Kapital dürfen unternehmerisch nicht wie Eigenkapitalgeber mitwirken und haben der Firma gegenüber nur eingeschränkte Kontrollrechte. Gesellschaften müssen somit keine Mitwirkungs- und Einflussnahmerechte der Investoren berücksichtigen, die Finanzierung ist deshalb ideal für mittelständische Firmen. Da es keine einheitliche Definition und Vorschrift für Mezzanine-Kapital gibt, können die Vertragsvereinbarungen individuell auf die Firma zugeschnitten werden.

Für Unternehmen hat Mezzanine-Kapital aber auch Nachteile. Daraus resultieren höhere Kapitalkosten und die Schmälerung des Gewinns durch die Beteiligung der Kapitalgeber am Ergebnis der Investition. Die Kosten der Kapitalaufnahme liegen zwar über den Kosten für Fremdkapital, sind aber geringer als bei der Aufnahme von Eigenkapital. Ist die Dauer der Kapitalüberlassung abgelaufen, muss das Unternehmen wieder eine neue Finanzierungsquelle suchen. Die Unternehmenstätigkeit muss genügend Cashflow abwerfen, um die versprochenen Erträge zu bedienen.

Mezzanine-Investitionen von Privatanlegern

Entscheidend für die Einordnung als Mezzanine-Kapital ist nicht die Zugehörigkeit zu bestimmten Begrifflichkeiten, sondern die Ausgestaltung der vertraglichen Vereinbarungen zwischen Kapitalgeber und Kapitalnehmer. Die Einwerbung von Mezzanine-Kapital wird auch öffentlich bei Privatanlegern betrieben.

Kapitalgeber sind demzufolge neben Banken, Mezzanine-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften für große Transaktionen ebenso Kleinanleger, die sich beispielsweise mit wenig Kapital an aussichtsreichen Immobilien beteiligen. Lediglich für den als Wertpapier ausgestalteten Genussschein muss der Verkäufer über eine Vertriebserlaubnis nach § 32 Kreditwesengesetz (KWG) verfügen.
Stille Beteiligungen, unverbriefte Genussrechte und partiarische sowie qualifizierte Nachrangdarlehen sind keine Finanzinstrumente laut KWG und können daher durch beim Gewerbeamt registrierte Vermittler angeboten werden. Genussrechte, partiarische und nachrangige Darlehen gelten als Vermögensanlagen und unterliegen dem Vermögens-Anlagen-Gesetz (VermAnlG) sowie dem Kleinanlegerschutzgesetz (KASG).

Durch die Bankenregulierung der letzten Jahre (siehe Basel I,II und III)und die Begrenzung des Fremdkapitalhebels nimmt die Bedeutung der eigenkapitalergänzenden Finanzierung in der Immobilienbranche zu. Projekte, die am Anfang reichlich Kapital benötigen und bei denen die Erträge erst viel später fließen, sind bevorzugte Einsatzmöglichkeiten.

Bauträger setzen Mezzanine-Kapital bei der Finanzierung ihrer Projekte ein, um das in Immobilien gebundene Eigenkapital zu verringern und das nächste Objekt eher beginnen zu können. Mit der Herstellung von Immobilien können weitaus höhere Renditen erzielt werden als mit dem Kauf fertiger Objekte. Der Anleger investiert in die Bauträgergesellschaft, die das Objekt bauen lässt und anschließend verkauft. Die dabei auftretenden höheren Risiken werden beim Crowdinvesting für Immobilien durch das Investieren kleiner Beträge auf viele Schultern verteilt. Der Darlehensvertrag wird direkt zwischen dem Bauträger und den Investoren abgeschlossen, eine Verwendung der Mittel für andere Zwecke ist in der Regel ausgeschlossen. Kleinanleger sollten jedoch die Darlehensvereinbarungen genau studieren und verstehen, bevor sie investieren.

Bedeutung für Crowdinvesting

Als Mischfinanzierung hat das Mezzanine-Kapital eine große Bedeutung für das Crowdinvesting bekommen. Träger von Immobilienprojekten und Start-ups (zur Unternehmensfinanzierung) haben beispielsweise durch crowdfinanziertes Fremdkapital, das bei Banken als Eigenkapital gewertet wird, die Möglichkeit, günstigere Kredite zu erlangen, da die Eigenkapitalquote damit steigt. Dem Kapitalgeber entsteht auf der anderen Seite eine neue Anlagemöglichkeit.
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Was ist bei Nachrangdarlehen zu beachten?

Nachteilig für Anleger ist, dass Mezzanine-Finanzierungen risikobehafteter sind als reine Fremdfinanzierungen. Durch ein Nachrangdarlehen führen private oder institutionelle Anleger einem Immobilienprojekt die benötigte Liquidität zu. Sollte der Darlehensnehmer Insolvenz anmelden müssen, gehen nur die Ansprüche der besicherten Kreditgeber wie Banken und Lieferanten vor. Bei der Mezzanine-Finanzierung wird jedoch auch eine qualifizierte Rangrücktrittsklausel verwendet. Beim qualifizierten Rangrücktritt ist die Rückzahlung bereits ausgeschlossen, wenn diese zur Zahlungsunfähigkeit führt und der Investor haftet ähnlich den Eigenkapitalgebern. Privatinvestoren sollten diese Risiken kennen und den Zinssatz des Nachrangdarlehens nach seiner Kompensation für die eingegangenen Risiken beurteilen. Ihre Investition entspricht in diesem Fall einer unternehmerischen Beteiligung, ein Nachrangdarlehen zieht jedoch weder eine Nachschusspflicht noch eine laufende Verlustbeteiligung nach sich.

Beim Crowdinvesting werden hauptsächlich Nachrangdarlehen als Mezzanine-Finanzierung genutzt. Die Anleger stellen dem Bauträger das Geld kurz- bis mittelfristig gemeinschaftlich zur Verfügung und bekommen das höhere Risiko durch eine attraktive Verzinsung des Nachrangdarlehens vergütet. Zinszahlungen und Tilgung werden durch das Bauträger-Unternehmen bzw. den Verkauf des Gebäudes erwirtschaftet. Es ist auch möglich, Anleger neben einer geringeren Verzinsung am Ende anteilig an der Wertsteigerung der Immobilie zu beteiligen.

Das Crowdinvesting für Immobilien bietet sowohl Investoren als auch Kapitalnehmern Kostenvorteile, denn es fallen keine Vertriebsgebühren und Bankprovisionen wie bei anderen Finanzanlagen an. Die Bereitstellung des Kapitals rechnet sich für beide Seiten: Die Investoren bekommen eine hohe Verzinsung und die Bauträgergesellschaften können auf eine teurere Finanzierung durch Kreditinstitute verzichten. Kleinanleger sollten jedoch wissen, dass bei wirtschaftlicher Schieflage des Projekts der Totalverlust des Kapitaleinsatzes eintreten kann.

Fazit

  • Mezzanine-Kapital nimmt eine Zwischenstellung zwischen Eigen- und Fremdkapital ein und hat viele Vorteile. * Es kommt zum Einsatz, wenn die Aufnahme von Eigenkapital zu teuer oder eine Finanzierung über Fremdkapital nicht möglich ist. Dadurch verbessert sich die Bilanz- und Finanzierungsstruktur des Kapitalnehmers.
  • Durch die reduzierte Fremdkapitalquote erhöht sich die Kreditwürdigkeit des Unternehmens und kann zur Senkung seiner Finanzierungskonditionen führen. Unternehmen mit hohem Finanzbedarf, z. B. in der Immobilienbranche, bekommen durch eine Mezzanine-Finanzierung die Chance, ertragreiche Projekte zu realisieren.
  • Für Firmen ist es wichtig, die Bedingungen und Vertragsklauseln der Mezzanine-Finanzierung so zu gestalten, dass tatsächlich eine Verbesserung der Bonität und des Scorings erreicht wird.
  • Privatanleger sollten das höhere Risiko einer nachrangigen Finanzierung bedenken und ihr Kapital auf verschiedene Projekte verteilen.

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