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Finanzierung

"Finanzierung" ist ein Wort aus der Finanzwelt, welches häufig im Zusammenhang mit der Immobilienfinanzierung und auch der Baufinanzierung genutzt wird. Doch was bedeutet dieser Begriff eigentlich genau? Dieser Eintrag soll dazu dienen, ein Verständnis dafür zu bekommen, was eine Finanzierung ist und welche Arten von Finanzierungen gängig sind.

Die Finanzierung ist ein Bestandteil der Finanzwirtschaft und lässt sich aus bilanz- und finanztechnischer Sicht erklären.

  • Aus bilanztechnischer Sicht wird die Finanzierung als Kapitalbeschaffung für das Unternehmen verstanden, welche auf der Passivseite der Bilanz abgebildet wird.
  • Aus finanztechnischer Sicht stellt die Finanzierung eine Zahlungsreihe dar, die mit einer Einzahlung (Kredit) beginnt und in der Folge der Finanzierung dann mit entsprechenden Auszahlungen (Kapitalrückzahlung + Zinsen) verbunden ist. Finanzierungen sind die Voraussetzung, um Investitionen durchführen zu können. Da die Finanzierung mehr beinhaltet, als durch die bilanz- und finanztechnische Sicht abgebildet werden kann, ist es sinnvoll, die Quellen und Formen der betrieblichen Finanzierung nach verschiedenen Kriterien zu systematisieren.

Systematisierung von Finanzierungsarten

Fristigkeit:

Die Fristigkeit stellt dar, wie lange die Finanzierung zur Verfügung steht. Nach dem Kriterium der Fristigkeit der Finanzierungsformen kann in kurz-, mittel- und langfristige Finanzierung unterteilt werden. Für Kapitalgesellschaften lassen sich nach §268 Abs. 5 HGB und §285 Nr. 1 HGB die drei Fristigkeitskategorien wie folgt unterteilen:

  • Kurzfristig: Laufzeit des Kredits von bis zu einem Jahr
  • Mittelfristig: Laufzeit des Kredits zwischen 1-5 Jahren
  • Langfristig: Laufzeit des Kredits von mehr als 5 Jahren

Je länger die Laufzeit des Kredits, desto schlechter sind in der Regel auch die von der Bank vergebenen Konditionen des Kredits. So ist der Zins für die kurzfristige Laufzeit am geringsten und für die langfristige Laufzeit am höchsten. Darüber hinaus hat die Bonität des Kreditnehmers einen Einfluss auf die Höhe des Zinses.

Finanzierungsanlass:

Nach dem Kriterium des Finanzierungsanlasses kann man unterscheiden zwischen Gründungsfinanzierung, Erweiterungsfinanzierung, Umfinanzierung und Sanierungsfinanzierung. Darüber hinaus gibt es natürlich noch viele weitere Spezialfinanzierungen wie die Projektfinanzierung, die Immobilienfinanzierung oder auch die Baufinanzierung

Rechtstellung des Kapitalgebers:

Bei dem Kriterium der Rechtstellung des Kapitalgebers wird zwischen Eigen- und Fremdfinanzierung unterschieden.

Unter Eigenfinanzierung versteht man Finanzierungsvorgänge, die dem Unternehmen zusätzliches Eigenkapital zur Verfügung stellen, sei es durch Einlagen der Unternehmenseigner oder aus dem Gewinn des Unternehmens. Die Fremdfinanzierung stellt hingegen die Finanzierung eines Unternehmens durch Fremdkapital, z.B. Kredite von Banken und Lieferanten sowie Anleihen und Kundenanzahlungen, dar.

Herkunft des Kapitals:

Nach dem Kriterium der Mittelherkunft kann zwischen Außen- und Innenfinanzierung unterschieden werden. Im Rahmen der Innenfinanzierung erfolgt eine Zuführung finanzieller Mittel durch die innerbetriebliche Freisetzung von liquiden Mitteln, welche sich aus den folgenden Formen zusammensetzt:

  • Selbstfinanzierung: Erfolgt eine Finanzierung aus liquiditätswirksamen Umsatzerlösen, die zu Gewinnen führen, so spricht man von einer offenen Selbstfinanzierung (auch Gewinnthesaurierung genannt). Bei der stillen Selbstfinanzierung erfolgt die Finanzierung durch das Einbehalten nicht ausgewiesener Gewinne. Dies erfolgt durch die Bildung von stillen Reserven, indem Aktiva unterbewertet und Passiva überbewertet werden.

  • Finanzierung aus Rückstellungen/Abschreibungen: Bei der Finanzierung aus Rückstellungen werden Rückstellungen gebildet, die einen Aufwand darstellen. Dieser Aufwand reduziert zwar den Gewinn, führt jedoch im Zeitpunkt der Bildung noch nicht zu einer Auszahlung. Die vorhandenen liquiden Mittel können somit bis zum Zeitpunkt der Auflösung anderweitig eingesetzt werden.
    Auch die Abschreibung vermindert den Gewinn, ohne zum Zeitpunkt des Aufwandes eine Auszahlung zur Folge zu haben. Die liquiden Mittel können somit bis zur Ersatzbeschaffung für andere Zwecke, beispielsweise zum Kapazitätsausbau, eingesetzt werden.

  • Kapitalfreisetzung: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die eine Finanzierung über Kapitalfreisetzung ermöglichen.
    Hierzu zählen:
    • die Reduzierung des Forderungsbestandes, indem entweder der Kunde kürzere Zahlungsziele einhalten muss, oder indem das Unternehmen Factoring nutzt. (Fremdfinanzierung)
    • Reduzierung der Vorräte durch Bestandsoptimierung (Eigenfinanzierung)

Bei der Außenfinanzierung werden finanzielle Mittel durch Einlagen von Unternehmenseignern oder Beteiligungen von Gesellschaftern sowie durch Kredite von Banken generiert. Darüber hinaus kann Außenfinanzierung über Sonderformen der Finanzierung wie z.B. Leasing erfolgen. Mit Blick auf die Herkunft des Kapitals und die Rechtstellung des Kapitalgebers lässt sich das System der Finanzierung in folgender Grafik darstellen.

  • Außenfinanzierte Fremdfinanzierung = Kreditfinanzierung
  • Außenfinanzierte Eigenfinanzierung = Beteiligungsfinanzierung
  • Innenfinanzierte Eigenfinanzierung = Selbstfinanzierung
  • Innenfinanzierte Fremdfinanzierung = Finanzierung aus Rückstellungen

Insgesamt umfasst die Finanzierung also alle Dispositionen zur Versorgung des Betriebes mit investierbarem Kapital (Beschaffung und Freisetzung von Mitteln) sowie zur optimalen Strukturierung des Kapitals.

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