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Wie wollen wir in Zukunft wohnen?

Früher, als Raider noch nicht Twix hieß und Billy-Regale nur in Studentenbuden standen, war das Wohnen klar strukturiert: Vom Kinderzimmer ging's in die WG, von der WG in die Zwei-Raum-Wohnung, danach kam das Reihenhaus am Rande der Stadt und wenn es dumm lief, war die letzte Station das Altersheim. Im 21. Jahrhundert sind die Lebenssituationen vielfältiger.

Zukunft des Wohnens - Wie wollen wir in Zukunft wohnen?

Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Freizeit – alles passiert gleichzeitig und ist überall möglich. Entsprechend wandelbar sollten auch die vier Wände sein. Gerade in Großstädten, wo das Flächenangebot zunehmend knapper wird, möchte man seinen vertrauten Kiez nicht verlassen müssen, „nur“ weil ein Kind hinzukommt oder das Treppensteigen mit den Jahren mühsamer geworden ist. Wie soll also das „Wohnen der Zukunft“ aussehen?

Digital, sozial und energieautark

Aufschlussreich ist die im Juli 2015 erschienene Zukunftsstudie „Home of the Future“, die die Future Foundation für Hiscox, ein britischer Spezialversicherer für Immobilien und Kunstgegenstände, durchgeführt hat. Jeweils 1.000 Männer und Frauen ab 18 Jahren haben die Trendforscher in Deutschland, Frankreich und Großbritannien gefragt, wie sie in 10 Jahren wohnen werden.

Vier grundlegende Trends kristallisierten sich heraus:

  • Aufgrund von digitalen Gütern reduzieren sich Besitz und Stauraum,
  • Mehrgenerationenkonzepte erleben eine Renaiccance (Stichwort: Barrierefreies Wohnen) und
  • ein nachhaltiger Wohnstil durch energieautarke oder auch energieerzeugende Gebäude wird bevorzugt.
  • Außerdem soll die Wohnung einen aktiven Beitrag zu Gesundheit und Wohlbefinden leisten.

Architekten, Planer und Projektentwickler haben also eine Menge zu tun, wenn sie der kommenden Eigentümer- und Mietergeneration zeitgemäßen Wohnkomfort bieten möchten.

Berlin wird zum Wohnlabor

Auch für Städte sind die veränderten Wohnbedürfnisse eine Herausforderung, denn sie beeinflussen die Planung von Quartieren, Verkehrskonzepten und der Energieversorgung in erheblichem Maße. Und nicht zuletzt der bis 2030 prognostizierte Zuzug in Ballungszentren macht ein Umdenken erforderlich:

  • Pro Jahr rechnet Berlin etwa mit rund 45.000 neuen Einwohnern,
  • München mit 16.000 und
  • Hamburg mit 13.000.

Um neue Lösungen auszuprobieren, geht Berlin jetzt in die Offensive und stellt im Rahmen des Sondervermögens „Infrastruktur der wachsenden Stadt“ von 2015 bis 2018 dreißig Millionen Euro für die Förderung von „experimentellen Geschosswohnungs-Neubauten" zur Verfügung. Das Ziel ist, Anreize für sowohl zukunftsfähigen als auch kostengünstigen Wohnraum zu geben, damit neben intelligenten, demografiefesten und ökologischen Gebäudekonzepten auch Wege für eine serielle und modulare Bauweise aufgezeigt werden. Entstehen sollen keine elaborierten Prototypen, sondern alltagstaugliche Beispiele, damit das „Wohnen der Zukunft“ erschwinglich ist für jeden Geldbeutel.

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Stadt und Wohnen anders denken

Ein spannender Ansatz ist in diesem Zusammenhang „MAKE CITY“, das erste internationale Festival für Architektur und Andersmachen, das kürzlich in Berlin stattfand. Drei Wochen diskutierten Architekten, Stadtplaner, Kreative, Immobilieninvestoren, Wissenschaftler, Politiker und Bürger darüber, wie moderne Stadtkonzepte aussehen könnten und wie sich Wohn- und Arbeitswelten miteinander kombinieren lassen, anstatt sie weiterhin voneinander zu separieren. Fortschrittliche Bauprojekte wurden besichtigt, unter anderem die Spree-City Charlottenburg, die Roof Water Farm in Kreuzberg und die ehemalige Malzfabrik in Schöneberg, aus der ein Co-Working-Space geworden ist. Fazit: Ein derart intensiver Austausch ist überaus wertvoll, damit die Beteiligten die Zusammenhänge zwischen Wohnen, Arbeiten, Natur, Energie und Mobilität besser verstehen lernen und darauf aufbauend, gemeinsam nach Lösungen suchen.

In 2017 soll „MAKE CITY“ erneut stattfinden, dann unter dem Motto „Die andere Stadt“. Man darf gespannt sein, welche experimentellen Mehrfamilienhäuser bis dahin entstanden sind - Probewohnen ist allerdings (leider) nicht vorgesehen.

Text: Dagmar Hotze, freie Journalistin


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