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Gütesiegel für Wohnimmobilien

Wie erkennt man zukunftsfähige Häuser auf einen Blick?

Mit den Informationen über die Bauqualität eines Wohngebäudes ist es so eine Sache: Will ein Kaufinteressent wissen, ob ein Haus ökologisch gebaut wurde, umweltfreundlich funktioniert, mit vernetzender Haustechnik und/oder barrierefrei ausgestattet ist, erschließen sich ihm die Merkmale häufig nicht sofort, sondern erst nach einer teils aufwendigen Recherche. Doch wer will bei einer Immobilie schon „die Katze im Sack“ kaufen? Dazu ist der Wohntraum zu wertvoll und das Investment zu risikoreich. Wie macht man sich also grundlegend schlau?

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Neue Wohnkriterien beeinflussen Kaufentscheidung

Zahlreiche Faktoren, wie schwer kalkulierbare Energiekosten, technologische Entwicklungen und nicht zuletzt eine älter werdende Gesellschaft, verändern das Wohnen, weshalb die Nachfrage nach zukunftsweisenden Gebäudetypen steigt. So beziffert die Deutsche Fertighaus Holding AG, nach eigenen Angaben der Branchenprimus unter den Fertighausherstellern, ihren Umsatz mit energieeffizienten Häusern im vergangenen Jahr auf rund 300 Millionen Euro und erzielte damit ein Rekordergebnis. Mehr als 15,6 % aller privaten Eigenheime entstehen in Deutschland in dieser Bauweise. Ebenfalls bedeutend wird der Markt für Smart Homes, dessen Volumen der Verband der Elektrotechnik (VDE) bis 2025 auf 19 Milliarden Euro schätzt. Von welchem Bedarf an altersgerechten Wohnungen in Zukunft auszugehen ist, zeigt die Studie „Altersgerechter Umbau der Infrastruktur: Investitionsbedarf der Städte und Gemeinden“, die das Deutsche Institut für Urbanistik 2013 im Auftrag der KfW durchgeführt hat: Die Experten errechneten einen Investitionsbedarf bis 2030 von rund 53 Milliarden Euro. Die Attribute „umweltschonend“, „intelligent“ und „barrierefrei“ sind demnach keine Modeerscheinung, sondern wichtige Kaufkriterien.

(Noch) kein Standard für Barrierefreiheit

Die veränderten Qualitätsansprüche stellen die Bau- und Immobilienwirtschaft vor neue Herausforderungen. Denn die Definitionen von verbindlichen Standards, an denen sich Käufer orientieren können, stecken vielfach noch in den Kinderschuhen. Wer sich beispielsweise darüber informieren möchte, ob ein Haus oder eine Wohnung barrierefrei ist, sieht sich konfrontiert mit 3 Bundesgesetzen, 16 Landesbauordnungen und einer Musterbauverordnung, die zuletzt im September 2012 aktualisiert wurde. Hinzu kommen etliche Gütesiegel und Zertifikate, mit jeweils eigenen Schwerpunkten. Transparenz sieht anders aus. Wer sich nicht durch dieses Labyrinth kämpfen will, der erhält auf dem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) empfohlenen Onlinefachportal „Nullbarriere“ fundierte Auskünfte von DIN-Normen bis zu entsprechenden Produkten. Zudem gibt es Checklisten, einen Überblick über Fördermittel und Kostenträger und eine nach Bundesländern sortierte Expertendatenbank. So informiert, kann man sicher in ein Verkaufsgespräch oder zu einem Besichtigungstermin gehen.

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Experten für das schlaue Haus

Ebenfalls findig müssen Freunde intelligenter Häuser sein. Zwar gibt es von der Initiative „Elektro plus“ - einem Zusammenschluss führender Hersteller der Elektrotechnik - erarbeitete Grundlagen für eine zukunftssichere Elektroplanung, zertifiziert nach den Richtlinien RAL-RG 678, die die heutigen Anforderungen an eine moderne, auch vernetzte Elektroinfrastruktur berücksichtigen. Doch in der Praxis werden lediglich Mindest- und Standardvarianten geplant und ausgeführt. Eine zentral steuer- und regulierbare Gebäudetechnik, die die Haustechnik zu einem System zusammenführt, das den Einsatz regenerativer Energien für Heizen, Lüften, Warmwasserbereitung, Beleuchtung, Elektromobilität, Kommunikation und darüber hinaus die eventuelle Einbindung von altersgerechten Assistenzsystemen (sogenanntes Ambient Assisted Living, kurz AAL) erlaubt, ist mit einer konventionellen Elektroinstallation jedoch nicht machbar.

Häufig mangelt es am Wissen um die Wichtigkeit einer gewerkeübergreifenden Elektroplanung. Weshalb sich die Smart Home Initiative Deutschland zum Ziel gesetzt hat, wenn auch kein Zertifikat für vernetzte Wohngebäude zu vergeben, so doch durch die Qualifizierung der Ausführenden zur Wissensvermittlung beizutragen. Dadurch erhält ein Bauherr immerhin die Sicherheit, versierte Fachbetriebe an seiner Seite zu wissen. Die Mitgliedsfachbetriebe sind in einer bundesweiten Datenbank aufgeführt. Mehr für Fachleute, aber dennoch interessant, ist das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Forschungsprojekt „Zertifizierung Smart Home + Building“ unter Federführung des VDE, bei dem das einwandfreie Zusammenspiel von Smart Home-Produkten geprüft wird.

Bei der Wohngesundheit nichts dem Zufall überlassen

Nicht minder zeitaufwendig ist die Recherche nach ökologischen und gesundheitsverträglichen Bauprodukten. Denn auch wenn es renommierte Gütesiegel wie den „Blauen Engel“, das von der EU eingeführte Ökolabel „Euroblume“ und das europaweit vertretene „natureplus“ gibt, so ist es dennoch schwierig, fachkundige Bauschaffende zu finden. Das Netzwerk des Bundesverbandes Deutscher Baubiologen ist hier hilfreich.

Gebäude ganzheitlich betrachten

In Sachen Transparenz ist also noch viel Luft nach oben. Denn Wohngebäude sind der Lebensmittelpunkt von Menschen. Dass mit ihnen der Wunsch nach Unversehrtheit und ein Gefühl der Geborgenheit verbunden ist, muss nicht erklärt werden. Außerdem ist eine Immobilie eine langfristige Verpflichtung. Da sind vertrauenswürdige Informationen das oberste Gebot. Der ganzheitliche Blick auf ein Gebäude gewinnt deshalb zunehmend an Bedeutung. Die Hansestadt Hamburg fördert dieses Umdenken seit 2013 etwa mit einem Zuschuss von 20 € /m² Wohnfläche für Neubauten, die nach dem Bewertungssystem "Nachhaltiger Wohnungsbau" (NaWoh) realisiert werden.

Noch gibt es keine „Qualitätsampel“, auf der Immobilienkäufer die Zukunftsfähigkeit eines Hauses oder einer Wohnung auf einen Blick ablesen können. Aber mit steigenden Nutzeransprüchen wird sie nur eine Frage der Zeit sein.


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