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Auch Hipster mögen es barrierefrei

Wer mit Anfang 30 darüber nachdenkt, wie denn die schicke Eigentumswohnung oder das Häuschen im Grünen einmal ausgestattet sein soll, der denkt in der Regel nicht darüber nach, wie es in 50 Jahren sein wird, kaum mit dem Rollator durch die Wohnzimmertür zu passen oder auf den Pflegedienst warten zu müssen, damit man im Bad zurecht kommt. Hilfe nein, Horrorszenario! Mir passiert das nicht! Ist außerdem noch ganz weit weg. Wenn das Leben glücklich verläuft, bleibt man vom Ungemach des Alters weitestgehend verschont. Glaubt man allerdings den Ärzten, dann erwischt es früher oder später jeden. Die eigenen vier Wände mit Weitblick zu planen, sollte also Pflicht sein. Aber worauf kommt es dabei an?

So unbekümmert wie man denkt, geht die junge Generation mit dem Thema altersgerechtes Wohnen nicht um, zeigt die im Juni 2015 erschienene Studie über Wohntrends der CONCEPT BAU GmbH. Zumindest nicht in München, wo die Vorlieben untersucht wurden. Demnach sehen 61,2 % Mehrgenerationenhäuser im Kommen und für 38,4 % ist das Sharing ein weiteres zukunftsfähiges Konzept. Einsam alt werden? Ist für junge Leute keine Option.

Barrierefreies Wohnen auch für Hipster

Sharing-Quartier definiert Wohnkomfort neu

Eines der weltweit ersten Sharing-Quartiere, das „Schwabinger Tor“, das zur Zeit zwischen Leopoldstrasse und Berliner Strasse in München entsteht, macht vor, wie Barrierefreiheit in Zukunft definiert werden wird: Vernetzt sein mit der Umgebung – und zwar sowohl technisch als auch sozial. Auf 42.000 m² realisiert die Jost Hurler Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft bis 2017 insgesamt neun Gebäude mit unterschiedlichen Nutzungen, darunter Büroflächen, ein Hotel, Gastronomie, Einzelhandel und 200 Mietwohnungen.

Der Clou des Quartiers: Die Services aller Nutzungen werden über die Onlineplattform Casavi miteinander verbunden, so dass die Nutzer bzw. Bewohner die auf dem Areal befindlichen Dienste per Smartphone-App buchen können. Arbeitet ein Mieter zum Beispiel im Home Office und benötigt kurzzeitig ein „richtiges Büro“, kann er einen Co-Working-Space im nahegelegenen Bürogebäude buchen. Hat er Lebensmittel übrig, kann er sie über das webbasierte „Schwarze Brett“ anderen anbieten.

Entwickelt hat die Plattform ein Start-up, gegründet von drei Vertretern der Generation Y – wie könnte es auch anders sein. Denn mit starren DIN-Normen wie der 18025-1 oder der 18025-2 für barrierefreie Wohnungen hat altersgerechtes Wohnen für die nachrückende Mieter- und Eigentümergeneration nur am Rande zu tun. Ihnen geht es um ein grundlegend anderes Verständnis von Wohnkomfort.

Vom Studentenapartment zur Seniorenwohnung

Bereits heute lässt sich der Trend zu generationsunabhängigem Wohnen an den neu entstehenden Apartments für Studenten ablesen. Von schummrigen „Buden“, wie man sie aus den 1970igern kennt, sind die Varianten im 21. Jahrhundert jedenfalls weit entfernt: So bieten einige der vollmöblierten 19 m² großen Ein-Zimmer-SMARTments in Mainz neben einer Kitchenette und moderner Technik mit Schließkarte und Internetanschluss auch ein barrierefreies Badezimmer. Ähnlich komfortabel ausgestattet ist eine Anzahl von Studentenwohnungen, die aktuell unter dem Label „Studiosus“ in München vermarktet werden. Auch hier setzen die Entwickler auf eine moderne Ausstattung, ein energiesparendes Versorgungskonzept und: Barrierefreiheit.

Für jede Lebenssituation

Nicht nur für Nutzer ist die „barrierefreie“ Flexibilität vorteilhaft. Auch Investoren sorgen vor. Denn sollte die Nachfrage nach kleinen Komfortwohnungen von Seiten der Studenten in einigen Jahren rückläufig sein, sattelt man eben um und bietet die Apartments als Seniorenwohnungen an. Eine alternative Variante wäre auch, dass man solange studiert, bis man als Senior durchgeht und ohne umziehen zu müssen, vom Studentenleben ins Seniorendasein übergleitet. Doch das ist wohl eher ein Sonderfall - hoffentlich. Insofern ist die frühzeitige Planung von barrierefreiem Wohnen praktisches Risikomanagement: Man ist gerüstet für jede Lebenssituation.

Text: Dagmar Hotze, freie Journalistin


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