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Von Anlageentscheidungen und Emotionen

Emotionen spielen bei unseren Entscheidungen eine wichtige Rolle.

Die Hirnbereiche, die für unsere emotionalen Verarbeitungen zuständig sind, werden als limbisches System bezeichnet. Das limbische System besteht aus mehreren Emotionssystemen, zu denen unter anderem das Balance-System, das Dominanz-System und das Stimulanz-System gehören. Bei jedem Menschen sind diese Systeme unterschiedlich stark ausgeprägt, so kommt es zu unterschiedlichen Persönlichkeiten.

  • Das Balance-System vermittelt den Wunsch nach Sicherheit, Stabilität und Ordnung. Eine Person, bei der das Balance-System sehr stark ausgeprägt ist, versucht jede Gefahr sowie Unsicherheit zu vermeiden und strebt Geborgenheit an.
  • Stolz, Sieges- und Überlegenheitsgefühle werden hingegen bei Persönlichkeiten mit starker Ausprägung des Dominanz-Systems ausgelost. Macht, Autonomie und ein hoher Status stehen hier im Mittelpunkt.
  • Der Wunsch nach neuen Erlebnissen, Entdeckungen und Individualität äußert sich im Stimulanz-System. Die Suche nach neuen, unbekannten Reizen und der Ausbruch aus dem Gewohnten, ist charakterisierend für Persönlichkeiten dieser Ausprägung.

Finden Sie sich schon in einem dieser Bereiche wieder? Die meiste Zeit über sind die drei großen Emotionssysteme mit unterschiedlichen Ausprägungen zeitgleich aktiv. Aus diesem Grund kommt es meistens zu Mischformen aus den unterschiedlichen Systemen.

Emotionen bei Anlageentscheidungen

Vor jedem Kauf sowie auch vor jedem Abschluss eines Investments steht: die Entscheidung.

Diese Emotionsstrukturen lassen sich auch auf unsere Kauf- und Anlageentscheidungen übertragen – Geld hat für uns einen generalisierten Emotionswert, denn mit Geld können wir uns unsere Wünsche erfüllen. Wir kennen alle das positive Glücksgefühl und das kindliche Kribbeln im Bauch, wenn wir uns nach langer Zeit des Sparens einen großen Wunsch erfüllt haben. Je stärker die positiven Emotionen sind, die das Wunsch-Produkt in uns auslösen, desto eher sind wir auch bereit, dafür Geld auszugeben. Wir kaufen uns vielmehr das gute Gefühl als das eigentliche Produkt. Geld ist dabei das wertvolle Mittel zur Erfüllung unseres Wunsches und Herleitung zu unseren positiven Emotionen.

Der Umgang mit Geld ist emotional jedoch sehr individuell und lässt sich auf die unterschiedlichen Einflüsse der Emotionssyteme zurückführen. Wir alle verfügen über alle Emotionssyteme, doch die Ausprägungen variieren erheblich. Auf dieser Grundlage lassen sich für unsere Kauf- und Anlageentscheidungen verschiedene Typen definieren:

  • Der Abenteurer ist geprägt vom Emotionssystem der Stimulanz und Dominanz. Er will sich profilieren, besser und schneller sein als andere, er besitzt eine hohe Risikobereitschaft und lässt sich bei der Wahl seiner Produkte von Impulsen leiten.
  • Auch der Performer findet sich zwischen dem Stimulanz und Dominanz-System wieder. Er will sich ebenfalls profilieren, lässt sich im Gegensatz zum Abenteurer wenig von Impulsen leiten ist dafür jedoch sehr ehrgeizig und zielstrebig. Er ist sehr statusorientiert und sucht Produkte, die dies auch der Außenwelt zeigen.
  • Der Disziplinierte ist angesiedelt im Balance-System. Er ist pessimistisch und misstrauisch. Qualität und Sicherheit sind ihm wichtig. Lange Kaufentscheidungen, regelmäßige Preisvergleiche und Sparsamkeit bestimmen die Wahl seiner Produkte.
  • Ebenfalls im Balance-System befindet sich der Traditionalist. Qualität, Sicherheit und Vertrauen stehen bei seiner Produktwahl an erster Stelle. Er ist detailverliebt, prüft alles sehr genau, ist sparsam und scheut Veränderungen.
  • Dem Traditionalisten sehr ähnlich und ebenfalls dem Balance-System zugeordnet ist: der Harmoniser. Ausgeprägt ist bei ihm vor allem die Sozial- sowie Familienorientierung. Er ist traditionellen Produkten stark zugewandt und wenig statusorientiert.
  • Zwischen dem Balance- und Stimulanz-System befindet sich der optimistische und qualitätsbewusste Offene. Er ist sehr kontaktfreudig und liebt das Einkaufen von Markenprodukten mit Erlebnisfaktor. Der Preis ist für ihn nicht unbedingt ausschlaggebenden, behält über seine Ausgaben jedoch stets den Überblick.
  • Dem Stimulanz-System zugeordnet sind die Hedonisten. Sie sind ständig auf der Suche nach neuen, schrillen, extravaganten und individuellen Produkten. Sie treffen ihre Kaufentscheidungen sehr spontan und verdrängen das mögliche Risiko.
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Über 70-80 % unserer Entscheidungen treffen wir unbewusst.

Unsere Emotionen steuern also unsere Kauf- und Anlageentscheidungen. Unser Finanzverhalten folgt einer emotionalen Logik. 
Hinter jedem dieser Bereiche stehen unterschiedliche Anlageprodukte. Von Sparbuch über Immobilienfonds, Immobilienprojektfinanzierung, den Kauf einer Immobilie als Kapitalanlage bis hin zu Aktienfonds, Aktien oder Hedgefonds und Optionsscheinen - für jeden Emotions-Typen findet sich das passende Anlageprodukt. 
Aber: Ist es immer gut, sich von Emotionen leiten zu lassen? Trifft das gute alte Bauchgefühl immer die richtige Entscheidung? Fest steht, dass es gerade bei der umfassenden und komplexen Gestaltung der Anlageprodukte wichtig ist, nicht NUR auf das Gefühl zu hören. Es ist nicht nur von Bedeutung, dass das Produkt „emotional“ zu uns passt, sondern auch zu unserer aktuellen Lebenssituation und zu unseren Zielen.

Ist das Ziel eines Traditionalisten beispielsweise, kurzfristig eine bestimmte Summe zu erwirtschaften, macht es bei der aktuellen Kapitalmarktsituation kaum Sinn das Geld in ein Sparbuch anzulegen - obwohl die Emotionen des Traditionalisten ihn dahin leiten würden. 
Wichtig ist es, ausreichende Informationen über ein Produkt zu sammeln und ggf. kritische Fragen zu stellen - das schafft Vertrauen und vertrauensvoll ist ein Anlageprodukt, bei dem keine Fragen offen bleiben. Denn auch wenn das erste Kribbeln vergangen ist, wollen wir uns mit unserer Anlageentscheidung wohlfühlen! 
Durchleuchten Sie einmal ihre bisherigen Anlageentscheidungen, welche haben sie ausschließlich emotional getroffen? Welche würden Sie heute genauso treffen und bei welchen haben Sie heute Bauchschmerzen?


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